EU-Kommission plant einheitliche Bahntickets

Die EU-Kommission will die Buchung von grenzüberschreitenden Bahnreisen in Europa mit einem einheitlichen Ticketsystem vereinfachen.

13.05.2026 15:35
red04
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Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom April berichtete rund ein Viertel der Befragten von Schwierigkeiten bei länderübergreifenden Buchungen.

Die EU-Kommission hat am heutigen Mittwoch in Brüssel Vorschläge vorgestellt, die das Reisen mit der Bahn innerhalb Europas deutlich erleichtern sollen. Ziel ist es, die Planung und Buchung von Fern- und grenzüberschreitenden Verbindungen zu vereinfachen. Trotz des EU-Binnenmarkts stoßen Reisende bislang häufig auf organisatorische Hürden und können Reisen durch mehrere Länder oft nicht mit einem einzigen Ticket buchen.

„Single Ticketing“ als zentrales Ziel

Kern der Vorschläge ist das sogenannte „Single Ticketing“. Künftig sollen Reisende auch bei Verbindungen mit mehreren Bahnunternehmen – etwa ÖBB, Deutsche Bahn oder Trenitalia – ein durchgehendes Ticket nutzen können. Dieses soll entweder direkt bei Bahnunternehmen oder über Ticketplattformen erhältlich sein. Dort sollen Verbindungen verschiedener Anbieter zudem vergleichbar und kombinierbar dargestellt werden.

Schwierigkeiten bei Buchungen

Nach Angaben der EU-Kommission gestaltet sich die Buchung von mehrteiligen Zugreisen derzeit oft komplex. Gründe dafür seien unter anderem unterschiedliche Buchungssysteme sowie die starke Marktstellung einzelner Bahnunternehmen. Dadurch entstehe eine fragmentierte Struktur im Vertrieb von Fahrkarten. Auch der Schutz von Fahrgästen sei bislang eingeschränkt, wenn Reisen mit Tickets verschiedener Anbieter durchgeführt werden. Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom April berichtete rund ein Viertel der Befragten von Schwierigkeiten bei solchen Buchungen. 43 Prozent gaben an, entsprechende Reisen deshalb gar nicht zu buchen.

Transparenz auf Ticketplattformen

Die EU-Kommission plant, Online-Ticketplattformen zu verpflichten, Angebote neutral und transparent darzustellen. Bahnunternehmen sollen ihre Tickets auch über Plattformen anderer Anbieter verfügbar machen, sofern diese den Verkauf übernehmen wollen. Gleichzeitig sollen Plattformen verpflichtet werden, auch Verbindungen einzubeziehen, die von anderen Eisenbahnunternehmen betrieben werden. Die Kommission erwartet dadurch mehr Transparenz im Markt sowie potenziell niedrigere Preise. Bisher würden viele größere Ticketplattformen von Bahnunternehmen selbst betrieben, wodurch konkurrierende Angebote weniger sichtbar sein könnten.

Verbesserte Fahrgastrechte bei Störungen

Auch beim Fahrgastrechte-Schutz sind Änderungen vorgesehen. Bei verpassten Anschlüssen auf Reisen mit einem durchgehenden Ticket sollen Reisende Anspruch auf Entschädigung und Umbuchung haben. Falls keine Weiterreise möglich ist, sollen auch Leistungen wie Übernachtung und Verpflegung abgedeckt sein. Diese Regelungen seien teilweise bereits in Vereinbarungen zwischen Bahnunternehmen enthalten, jedoch nicht verpflichtend. Künftig soll der jeweils verantwortliche Beförderer die entstehenden Kosten übernehmen.

Auswirkungen auf Markt und Wettbewerb

Die Kommission sieht in den Vorschlägen nicht nur Vorteile für Fahrgäste, sondern auch für den Bahnmarkt insgesamt. Kleinere Anbieter sollen leichter Zugang zu großen Plattformen erhalten und unter klaren Rahmenbedingungen mit diesen zusammenarbeiten können. Nach Einschätzung der Kommission könnten verbesserte Fahrkartenstrukturen und stärkere Fahrgastrechte die Attraktivität der Bahn erhöhen und zusätzliche Nachfrage erzeugen.

Politische Entscheidung und Umsetzungszeitraum

Für das Inkrafttreten der Vorschläge sind die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments erforderlich. Ein Kommissionsbeamter äußerte die Erwartung, dass die Umsetzung zügig erfolgen könne, da keine langwierigen Vorarbeiten notwendig seien. Unabhängig davon sollen Online-Fahrkartendienste innerhalb von zwölf Monaten nach Inkrafttreten verpflichtet werden, alle verfügbaren Schienenverkehrsangebote in ihren jeweiligen Ländern vollständig in ihre Such- und Buchungssysteme zu integrieren.

Reaktionen aus Politik und Bahnbranche

Positiv aufgenommen wurden die Pläne unter anderem von EU-Abgeordneter Sophia Kircher. Sie verglich die Wirkung des „Single Ticketing“ mit dem Wegfall von Roaming-Gebühren im Mobilfunk und sprach von spürbaren Vorteilen für Reisende in Europa. Nach ihrer Einschätzung könnte die Zahl der internationalen Bahnreisenden auf langen Strecken deutlich steigen. Auch Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch begrüßte die Initiative. Er verwies auf die Notwendigkeit einer einfacheren Buchung, vergleichbar mit digitalen Plattformmodellen in anderen Branchen. Ein anbieterübergreifendes Ticketing sei ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz, einfacheren Abläufen und faireren Wettbewerbsbedingungen im europäischen Bahnverkehr.

(APA/red)

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