Forderung nach nationaler Behörde für Italiens Küche
Nach der Aufnahme der italienischen Küche in die UNESCO-Liste wird in Rom über die Einrichtung einer nationalen Qualitätsbehörde beraten.
Die italienische Küche gehört seit Dezember zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Mit der Aufnahme in die Liste der UNESCO erhält sie internationale Anerkennung für ihre kulturelle Bedeutung. In Italien wird nun über die nächsten Schritte diskutiert: Vertreter aus Unternehmertum, Tourismus und Lebensmittelwirtschaft sprechen sich für die Einrichtung einer unabhängigen nationalen Behörde aus, die die Qualität der italienischen Küche sichern soll.
Wirtschaftsfaktor mit globaler Bedeutung
Die wirtschaftliche Bedeutung der italienischen Gastronomie ist erheblich. Nach Angaben des „Deloitte Foodservice Market Monitor 2025“ belief sich der weltweite Umsatz im Jahr 2024 auf rund 250 Milliarden Euro. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 4,5 Prozent. Auch der Agrar- und Lebensmittelsektor verzeichnete neue Höchstwerte. Die Exporte erreichten demnach ein Volumen von 73 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund sehen Branchenvertreter in der UNESCO-Anerkennung nicht nur eine kulturelle Würdigung, sondern auch ein wirtschaftliches Potenzial, das strategisch genutzt werden könne.
Einheitliche Standards
Im Senat in Rom wurde die Idee einer eigenständigen Behörde erörtert, die verbindliche Standards für Tradition, Qualität, Nachhaltigkeit und Ernährungssicherheit festlegen soll. Ziel ist es, Transparenz sowie wissenschaftlich fundierte Kriterien zu gewährleisten und zugleich die mediterrane Ernährungsweise stärker zu fördern. Nach Vorstellung der Befürworter könnte eine solche Institution dazu beitragen, die internationale Reputation des italienischen Gastronomiemodells weiter auszubauen und vor Missbrauch oder Verwässerung zu schützen.
Kulturelle Bedeutung
Luigi D’Eramo, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, erklärte, die Anerkennung durch die UNESCO könne in konkrete wirtschaftliche Chancen und zusätzliche Beschäftigung umgewandelt werden. Fachleute rechnen in den ersten Jahren mit einer touristischen Zusatzwirkung von sechs bis acht Prozent. Das entspräche innerhalb von zwei Jahren bis zu 18 Millionen zusätzlichen Besuchern. In ihrer Begründung hob die UNESCO nicht einzelne Gerichte, Rezepte oder regionale Spezialitäten hervor. Stattdessen stellte sie die kulturelle Dimension in den Vordergrund: gewürdigt wurde die Bedeutung, die die Italiener den Ritualen des Kochens und gemeinsamen Essens beimessen.
(APA/red)