Italiens Winzer kämpfen mit vollen Lagern

Italiens Weinproduzenten bekommen die schwache Nachfrage und sinkende Preise zunehmend zu spüren.

03.09.2026 14:32
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In den ersten fünf Monaten des Jahres gingen die italienischen Weinexporte um sieben Prozent zurück.

Rund 40 Millionen Hektoliter Wein dürften heuer in Italien produziert werden. Damit bleibt das Land voraussichtlich erneut weltweit an der Spitze. Doch die große Ernte kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die Lager sind voll, die Nachfrage schwach und die Exporte rückläufig.

Lager füllen sich

Ende Juli lagerten in den italienischen Kellern 45,6 Millionen Hektoliter Wein und Most. Das geht aus Zahlen des Landwirtschaftsministeriums hervor. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 8,2 Prozent. Ohne Most lagen die Bestände bei 42,6 Millionen Hektolitern, um 6,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die hohen Bestände drücken auf die Preise. Im Juni kostete italienischer Wein im oberen Segment durchschnittlich 1,57 Euro je Liter – sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Bei einfachen Weinen sanken die Preise sogar um 19 Prozent.

Exporte rückläufig

Auch das Auslandsgeschäft läuft schlechter. In den ersten fünf Monaten des Jahres gingen die italienischen Weinexporte um sieben Prozent zurück. Besonders stark war der Rückgang in den USA, dem wichtigsten Exportmarkt. Dort sanken die Ausfuhren um 15 Prozent. „Es gibt zu viel Wein auf dem Markt“, sagte Lamberto Frescobaldi, Präsident des Winzerverbands Unione Italiana Vini, der Zeitung La Stampa. Bei der derzeitigen Nachfrage wären seiner Ansicht nach 35 bis 38 Millionen Hektoliter ausreichend. Das liegt deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Frescobaldi fordert deshalb, neue Pflanzgenehmigungen vorübergehend auszusetzen. Eine weitere Ausweitung der Rebflächen hält er für nicht sinnvoll. Gleichzeitig werden in Italien jährlich mehr als 56.000 Hektar Landwirtschaftsfläche aufgegeben.

Weniger Geld für die Trauben

Auch bei den Trauben geraten die Preise unter Druck. Betroffen sind unter anderem wichtige Weinregionen wie Venetien, Piemont und Apulien. Christian Marchesini, Präsident des Consorzio della Valpolicella, spricht von Spekulation. Für frische Trauben wären derzeit 60 bis 80 Cent je Kilogramm angemessen. Angeboten würden teilweise aber nur 50 Cent, vereinzelt sogar 40 Cent. Bei Amarone-Trauben werden laut Marchesini rund 1,40 Euro je Kilogramm bezahlt, in Spitzenfällen 1,65 Euro. Gleichzeitig gebe es Angebote von 1,20 bis 1,30 Euro. Zusammen mit den gestiegenen Produktionskosten wird die Lage für die Winzer zunehmend schwierig. Marchesini beziffert den möglichen Einkommensverlust inzwischen auf mehr als 35 Prozent je Hektar. Eine Ernte von rund 40 Millionen Hektolitern dürfte die ohnehin hohen Bestände weiter anwachsen lassen.

(APA/red)

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