Kroatien reagiert auf Partytourismus

Beliebte Urlaubsorte in Kroatien könnten künftig den nächtlichen Verkauf von Alkohol einschränken oder verbieten.

10.06.2026 15:44
red04
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In der Küstenstadt Split soll ein nächtliches Alkohol-Verkaufsverbot von 21 Uhr bis 6 Uhr eingeführt werden.

Kroatien geht mit einer Gesetzesänderung verstärkt gegen die negativen Folgen des Massentourismus vor. Das Parlament in Zagreb hat beschlossen, Städten und Gemeinden die Möglichkeit einzuräumen, den nächtlichen Verkauf von Alkohol einzuschränken oder ganz zu verbieten. Ziel der Maßnahme ist es, öffentliche Ordnung, Lebensqualität der Einwohner sowie den Schutz von Umwelt und kulturellem Erbe zu stärken. Die Gesetzesänderung wurde von allen anwesenden Abgeordneten unterstützt. Die neue Regelung sieht vor, dass Kommunen künftig den Verkauf alkoholischer Getränke in Geschäften, Kiosken, Tankstellen und ähnlichen Verkaufsstellen zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens untersagen können. Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Bars und Cafés sind von den Einschränkungen nicht betroffen.

Beliebte Urlaubsorte kündigen Umsetzung an

Mehrere touristische Zentren an der Adriaküste haben bereits angekündigt, von den neuen Befugnissen Gebrauch zu machen. In der Küstenstadt Split soll ein nächtliches Verkaufsverbot von 21 Uhr bis 6 Uhr eingeführt werden. Auch die Insel Hvar sowie die Küstenstadt Zadar planen ähnliche Maßnahmen. In der Hauptstadt Zagreb wird eine Umsetzung derzeit geprüft. Die betroffenen Regionen zählen seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubszielen an der kroatischen Adriaküste und ziehen insbesondere in den Sommermonaten zahlreiche junge Reisende an.

Beschwerden über Lärm und Exzesse

Hintergrund der Gesetzesänderung sind wiederkehrende Beschwerden über nächtliche Ruhestörungen, Vandalismus und Alkoholexzesse in stark frequentierten Tourismusgebieten. Besonders in historischen Altstädten und Küstenorten kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten zwischen Anwohnern und feiernden Urlaubern. Nach Angaben der kroatischen Regierung soll die Neuregelung den Kommunen mehr Handlungsspielraum geben, um lokale Probleme gezielt zu lösen. Tourismusminister Tonči Glavina betonte, dass Tourismus und Lebensqualität der Bevölkerung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen müssten. Die Städte und Regionen sollten nicht ausschließlich auf die Bedürfnisse des Tourismus ausgerichtet sein.

Kein landesweites Alkoholverbot

Die Gesetzesänderung bedeutet jedoch kein generelles Alkoholverbot für Urlauber. Vielmehr handelt es sich um eine Ermächtigung der Kommunen, eigenständig über Einschränkungen zu entscheiden. Ob und in welchem Umfang Verkaufsverbote eingeführt werden, liegt künftig bei den jeweiligen Städten und Gemeinden. Urlauber können weiterhin in Restaurants, Bars und anderen Gastronomiebetrieben alkoholische Getränke konsumieren. Die Einschränkungen betreffen ausschließlich den Verkauf im Einzelhandel während der Nachtstunden.

Jugendschutz wird verschärft

Neben den neuen Möglichkeiten für Alkoholverkaufsverbote enthält die Gesetzesnovelle weitere Bestimmungen zum Jugendschutz. Verkaufsstellen sollen künftig stärker verpflichtet werden, das Alter von Käufern zu kontrollieren und die Abgabe alkoholischer Getränke an Minderjährige zu verhindern. Dafür können Ausweiskontrollen verlangt werden.

Tourismus bleibt wichtiger Wirtschaftsfaktor

Trotz der strengeren Regelungen bleibt der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Kroatiens. Die Regierung betont, dass die Maßnahmen nicht gegen Urlauber gerichtet seien, sondern dazu dienen sollen, die Belastungen für die lokale Bevölkerung zu reduzieren und die touristische Entwicklung langfristig nachhaltiger zu gestalten.

(red)

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