Regierung will Olympia für Tourismusmarketing nutzen

Eine neue Tourismusstrategie der Bundesregierung soll Marketing, Arbeitsmarkt und strukturelle Vereinfachungen bündeln.

08.01.2026 8:57
red04
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Sportliche und kulturelle Großveranstaltungen sollen künftig gezielter für touristisches Marketing genutzt werden.

Die Bundesregierung hat sich im Ministerrat am gestrigen Mittwoch mit Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Tourismusbranche befasst. Bis zum Sommer soll eine neue Tourismusstrategie mit dem Titel „Vision T“ vorliegen. Zudem sind Schritte geplant, um Tourismusberufe attraktiver zu machen und das internationale Marketing auszubauen. Anlässlich der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo will die Bundesregierung verstärkt für Österreichs Skigebiete werben. Dafür ist ein Budget von einer Million Euro vorgesehen.

Tourismus als zentraler Wirtschaftsfaktor

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) betonte die wirtschaftliche Bedeutung der Branche. Tourismus sei „kein Schönwetterthema“, sondern ein wesentlicher Pfeiler der österreichischen Wirtschaft. In vielen Regionen würde ohne Tourismus die wirtschaftliche Grundlage wegfallen. Angesichts der angespannten Budgetlage seien jedoch keine steuerlichen Entlastungen für Betriebe möglich. Stattdessen setze die Bundesregierung auf Vereinfachungen und Entbürokratisierung, erklärte NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn.

Marketingoffensive bei Olympischen Spielen

Im Rahmen der Olympischen Winterspiele in Italien will die Österreich Werbung rund eine Million Euro für Marketingmaßnahmen einsetzen. Ziel ist es, die internationale Sichtbarkeit des österreichischen Wintertourismus zu erhöhen. Darüber hinaus soll noch im laufenden Jahr ein ressortübergreifendes Übereinkommen erarbeitet werden, um sportliche und kulturelle Großveranstaltungen künftig gezielter für touristisches Marketing zu nutzen.

Fachkräfte als Schlüssel

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) unterstrich die Bedeutung von qualifizierten Arbeitskräften für den Tourismus. Die Branche lebe von den Menschen, die sie täglich tragen. Verwiesen wurde auf den 2025 beschlossenen Tourismusbeschäftigtenfonds, der jährlich mit 6,5 Millionen Euro dotiert ist, sowie auf die Erhöhung des Saisonkontingents. Der Fonds soll gezielt Aus- und Weiterbildung sowie die Beschäftigungsqualität fördern, um ganzjährige Beschäftigung zu stärken und saisonale Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Eine neue Kampagne soll an die bestehende Initiative „Team Tourismus“ anknüpfen und das Berufsbild weiter positiv positionieren. Zudem soll die Branche von einer noch auszuarbeitenden bundesweiten Fachkräftestrategie profitieren. Ergänzend ist das Weiterbildungsprogramm „NextGen4Austria“ geplant, das junge Menschen bei der Übernahme von Betrieben gezielt qualifizieren soll.

Rolle des Tourismus bei der Inflation

Die Bundesregierung will auch dem Vorwurf entgegentreten, der Tourismus sei ein Treiber der Inflation. Bei ausländischen Gästen handle es sich wirtschaftlich um einen Dienstleistungsexport. Gemeinsam mit der Statistik Austria soll geprüft werden, ob die derzeitige Abgrenzung und Gewichtung tourismusrelevanter Positionen in der Inflationsberechnung noch zeitgemäß ist. Darüber hinaus sollen rechtliche Vorgaben zur Preisauszeichnung, insbesondere im Zusammenhang mit der Ortstaxe, verständlicher gestaltet werden. Der Bund will die Länder außerdem bei der Umsetzung der technischen Anforderungen der neuen EU-Verordnung zu Kurzzeitvermietungen unterstützen.

Unterschiedliche Reaktionen

Kritik kam von der FPÖ. Tourismussprecher Christoph Steiner bezeichnete die angekündigte Tourismusstrategie bis Sommer als „schlechten Witz“. Die Branche brauche echte Entbürokratisierung, finanzielle Entlastung und eine bessere Ausrichtung des Bildungssystems auf Tourismusberufe. Positive Reaktionen gab es hingegen aus der Wirtschaft. WKÖ-Tourismus-Obfrau Susanne Kraus-Winkler sprach von „sehr erfreulichen“ Ankündigungen. Skeptisch äußerten sich die Grünen, die vor allem einen unnötigen politischen Kuhhandel über die Anzahl der Saisonarbeitskräfte und eine Imagekampagne kritisierten.

(APA/red)

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