Schlecht-Kettner

Ordentliche Gewitterwolken gab es beim Stadt-Rechnungshof-Bericht in Sachen Gebarung von WienTourismus-Chef Norbert Kettner. Doch der will partout weitermachen.
© WienTourismus/ Peter Rigaud

Die Opposition schäumt. 80.000,- Euro in den Sand gesetzt. WienTourismus-Chef Dr. Norbert Kettner hatte einen Auftrag an eine arabische Film-Firma erteilt. 80.000,- Euro angewiesen. Doch der geplante Werbefilm über Wien kam nie zustande. Die 80.000,- Euro waren futsch. Weg. Perdu.
Das bestätigt auch Kettners Pressesprecher Mag. Walter Straßer: „Berechtigter Kritikpunkt waren die ‚sunk costs‘, die bei einer Kooperation mit der arabischen TV- Produktionsfirma Bridge:media entsanden sind. Die Ausstrahlung der Serie hätte auf dem TV-Sender MBC erfolgen sollen. Bei MBC handelt es sich um einen der mit Abstand am meisten gesehenen arabischen TV-Sender, mit einer Reichweite von rund 77% aller Haushalte in der Region. 2016, im Jahr des Vertragsabschlusses, zählte Wien fast 360.000 Nächtigungen aus dem arabischen Raum, 81% fanden davon in den gehobenen Kategorien statt (4*- bzw. 5*-Hotels). Die TV-Serie, die wir nach Wien holen wollten, hätte Strahl- kraft bei einer kaufkräftigen Zielgruppe im gesamten arabischen Golf gehabt.“

Vertrag nicht erfüllt

Straßer weiter: „Der Vertragspartner hat seinen Vertrag nicht erfüllt. Die Rückforderung der geleisteten Zahlung fand (..) sehr wohl und sogar mehrfach statt, war aufgrund des Gerichtsstandes in den Vereinigten Arabischen Emiraten aber äußerst problematisch, da die Rechtslage dort anders ist als etwa in Europa oder den USA. Sowohl hierzulande als auch vor Ort in den VAE setzte der WienTourismus mittels rechtsanwaltlicher Unterstützung sämtliche wirtschaftlich vertretbaren Verfolgungshandlungen, Zahlungsaufforderungen und Mahnbriefe. Zugleich ließ der WienTourismus auch die Durchsetzung der Forderung vor Gericht in den VAE von einem dort ansässigen Rechtsanwalt, der sämtliche Gepflogenheiten vor Ort gut kennt und die Lage als Experte beurteilen konnte, prüfen. Dieser schätzte das Prozessrisiko (und die damit verbundenen
weiteren Kosten) als zu hoch ein, weswegen wir auf weitere rechtliche Schritte – im Sinne der Vermeidung weiterer Kosten – verzichtet haben. Angemerkt sei an dieser Stelle auch, dass diese Vorgehensweise bei der Rückforderung seitens Rechnungshof in keiner Weise beanstandet wurde.“ Darüber hinaus wurde der Vertrag des Wiener Tourismus-Chefs von der umtriebigen Wiener Landesrätin Renate Brauner gleich mehrfach verlängert. Dies freilich ohne (!) Ausschreibung.
Auch darauf hat Kettners Pressesprecher eine Antwort: „Die Neubestellung des/ der Tourismusdirektors/in erfolgt durch die Tourismuskommission. Das Wiener Tourismusförderungsgesetz (WTFG) re- gelt diesen Sachverhalt, und diese Vorgabe wurde selbstverständlich auch bei der Bestellung von Tourismusdirektor Kettner vollumfänglich eingehalten. Verlängerungen der Geschäftsführertätigkeit in Körperschaften öffentlichen Rechts konnten nach damaliger Rechtsauffassung der Stadt Wien in der durchgeführten Form vorgenommen werden. Der Umgang mit der nunmehrigen Empfehlung des Rechnungshofes obliegt der Stadt Wien.“
Ob Kettner jetzt an Rücktritt denkt? Sein Pressemann lässt vom abgewatschten Tourismus-Direktor ausrichten: „Herr Kettner hat bisher schon seine gesamte Kraft in seine Arbeit für Wiens Tourismus investiert und will dies auch weiter tun. Seine aktuelle Amtsperiode läuft im September 2022 aus.“
Mehr über die „Zuaständ“ im Wiener Tourismus lesen Sie in der kommenden Ausgabe von FM.

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