Schuldspruch für Air France und Airbus nach Absturz
Wegen des Flugzeugabsturzes von 2009 wurden Air France und Airbus im Berufungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Im Berufungsprozess um den Absturz des Air-France-Flugs AF 447 mit 228 Todesopfern hat ein Pariser Gericht die Fluggesellschaft Air France und den Flugzeugbauer Airbus schuldig gesprochen. Das Berufungsgericht verurteilte beide Unternehmen wegen fahrlässiger Tötung zu Geldstrafen in Höhe von jeweils 225.000 Euro. Bei dem Unglück kamen auch 28 Deutsche sowie eine Österreicherin ums Leben.
Absturz über dem Atlantik
Die Maschine vom Typ Airbus A330 war am 1. Juni 2009 von Rio de Janeiro nach Paris unterwegs, als sie in eine schwere Unwetterzone geriet und kurz darauf vom Radar verschwand. Das Flugzeug stürzte in den Atlantik. Die Suche nach dem Wrack gestaltete sich schwierig. Erst fast zwei Jahre später konnten der Flugdatenschreiber sowie die letzten Opfer aus rund 4.000 Metern Tiefe geborgen werden.
Verantwortung bei Airline und Hersteller
Nach Ansicht des Gerichts tragen ausschließlich Air France und Airbus die Verantwortung für den Absturz sowie für den daraus entstandenen Schaden. Im Verfahren wurde Airbus vorgeworfen, die Risiken eines Ausfalls der Geschwindigkeitsmessung unterschätzt zu haben. Die sogenannten Pitot-Sonden waren während des Flugs vereist. Air France wiederum soll seine Piloten nicht ausreichend auf eine derartige Extremsituation vorbereitet und geschult haben. Ein bereits 2012 veröffentlichtes Expertengutachten kam zu dem Schluss, dass die Besatzung mit der Situation überfordert gewesen sei, obwohl diese grundsätzlich beherrschbar gewesen wäre.
Freispruch in erster Instanz aufgehoben
In erster Instanz waren Airbus und Air France im Jahr 2022 noch freigesprochen worden. Das damalige Gericht sah zwar Nachlässigkeiten und Versäumnisse, konnte jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen diesen und dem Absturz feststellen. Gleichzeitig wurde damals festgestellt, dass Airbus frühere Probleme mit den Sonden nicht konsequent verfolgt habe. Zudem sollen Informationen nicht vollständig weitergegeben worden sein. Auch Air France hätte seine Piloten deutlicher auf mögliche Schwierigkeiten mit den Messsystemen hinweisen können.
Jahrelange juristische Aufarbeitung
(APA/red)