Tourismus im Süden unter Druck

Immer mehr junge Menschen verlassen Süditalien – mit spürbaren Folgen für Arbeitsmarkt, Gastgewerbe und touristische Infrastruktur.

22.06.2026 11:47
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Immer mehr junge Italienerinnen und Italiener ziehen für Studium und Arbeit aus Süditalien in den Norden des Landes. Seit 2019 ist die Zahl der 18- bis 35-Jährigen im Süden um 7,6 Prozent gesunken, während sie in Norditalien deutlich zugenommen hat. Besonders betroffen ist der sogenannte Mezzogiorno, der bereits seit Jahren mit wirtschaftlichen Strukturproblemen kämpft.

Laut Auswertungen der Mailänder Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ auf Basis von Daten des Statistikamts ISTAT leben heute über 300.000 junge Menschen weniger im Süden als noch 2019. Gleichzeitig wächst die junge Bevölkerung in wirtschaftsstarken Regionen wie Mailand, Bologna oder Genua, die bessere Jobchancen und starke Universitätsstandorte bieten.

Folgen für Gastronomie und Tourismus

Die Entwicklung wirkt sich zunehmend auch auf den Tourismussektor und die Gastronomie im Süden aus. Viele Regionen berichten bereits über einen spürbaren Mangel an Arbeitskräften in Hotels, Restaurants und saisonalen Betrieben. Besonders in der Hauptsaison wird es schwieriger, ausreichend qualifiziertes Personal für Service, Küche und Hotellerie zu finden.

Für touristisch geprägte Küstenregionen bedeutet das nicht nur höhere Belastungen für bestehende Betriebe, sondern teilweise auch Einschränkungen im Angebot. Öffnungszeiten werden reduziert, einzelne Betriebe können nur noch eingeschränkt oder saisonal verkürzt arbeiten. Damit steigt der Druck auf eine Branche, die ohnehin stark von saisonalen Schwankungen abhängig ist.

Demografischer Wandel trifft Gastgewerbe

Forschende warnen zudem davor, dass sich die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen langfristig verschärft. Laut dem Forschungsinstitut SVIMEZ betrifft die Mobilität zunehmend Hochschulabsolventen, was die Innovations- und Entwicklungschancen des Südens zusätzlich schwächt.

Für den Tourismussektor bedeutet das auch eine demografische Lücke: weniger junge Arbeitskräfte, weniger unternehmerische Neugründungen im Gastgewerbe und eine alternde Bevölkerung in vielen Tourismusregionen. Gleichzeitig sinkt in einigen Orten die lokale Nachfrage außerhalb der Hauptsaison, da weniger junge Einwohner ganzjährig vor Ort leben.

Teufelskreis für regionale Entwicklung

Experten sprechen von einem sich selbst verstärkenden Kreislauf: fehlende Arbeitsplätze führen zur Abwanderung, diese wiederum verschärft den Fachkräftemangel in Tourismus und Gastronomie. Damit geraten auch Investitionen in die regionale Infrastruktur unter Druck.

Langfristig könnte sich diese Entwicklung nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf die touristische Attraktivität ganzer Regionen auswirken. Denn neben landschaftlichen und kulturellen Faktoren spielt zunehmend auch die Verfügbarkeit von Personal und lebendigen Ortsstrukturen eine entscheidende Rolle für nachhaltigen Tourismus im Süden Italiens.

APA/Red.

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