Wein verliert weltweit an Bedeutung

Wirtschaftliche Unsicherheit, veränderte Lebensgewohnheiten und sinkende Kaufkraft setzen der internationalen Weinbranche weiter zu.

13.05.2026 8:54
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Seit 2018 beträgt der weltweite Rückgang des Weinkonsums insgesamt rund 14 Prozent.

Der weltweite Weinkonsum ist auch 2025 weiter gesunken. Wie aus dem Jahresbericht der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) hervorgeht, ging der Konsum im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf 208 Millionen Hektoliter zurück. Seit 2018 beträgt der Rückgang insgesamt rund 14 Prozent. Als Gründe nennt die Organisation unter anderem veränderte Lebensgewohnheiten sowie wirtschaftliche Unsicherheiten. Die Weinbranche habe zudem mit Klimaschwankungen, einer sinkenden Nachfrage und zunehmender Unsicherheit im internationalen Handel zu kämpfen gehabt.

Wichtige Absatzmärkte mit deutlichen Verlusten

Besonders betroffen waren laut OIV mehrere der weltweit größten Weinmärkte. In neun der zehn wichtigsten Absatzländer sank der Konsum. Hervorgehoben wurden dabei China, Frankreich und die USA. In den Vereinigten Staaten, dem größten Weinmarkt der Welt, ging der Absatz 2025 um 4,3 Prozent zurück. Als Ursachen nennt die OIV eine geringere Kaufkraft, ein verändertes Konsumverhalten jüngerer Menschen sowie die größere Auswahl anderer alkoholischer Getränke. Die Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle seien derzeit noch schwer einzuschätzen. Auch in Frankreich wurde ein Rückgang verzeichnet. Dort sank der Weinkonsum um 3,2 Prozent. Besonders stark fiel das Minus in China aus: Der Absatz ging dort um 13 Prozent zurück. Seit 2020 summiert sich der Rückgang nach OIV-Angaben auf insgesamt 61 Prozent. Die Organisation sieht den chinesischen Markt als besonders empfindlich gegenüber Preisentwicklungen und Veränderungen der Kaufkraft. Während China 2020 noch der sechstgrößte Weinmarkt weltweit war, liegt das Land inzwischen nur noch auf Rang elf.

Inflation belastet Verbraucher und Produzenten

OIV-Generaldirektor John Barker sieht wirtschaftliche Faktoren als entscheidend für die Entwicklung des Weinmarktes. Die Inflation erhöhe nicht nur die Produktionskosten, sondern wirke sich auch direkt auf die finanzielle Situation der Verbraucher aus. Wein werde vielerorts als Genussmittel betrachtet, weshalb sinkende Kaufkraft den Absatz zusätzlich belaste.

Produktion leicht gestiegen

Trotz des rückläufigen Konsums ist die weltweite Weinproduktion 2025 leicht gestiegen. Nach Angaben der OIV erhöhte sie sich um 0,6 Prozent auf 227 Millionen Hektoliter. Hintergrund sei jedoch vor allem das sehr niedrige Produktionsniveau im Jahr 2024, das als historischer Tiefstand gilt. Die seit mehreren Jahren vergleichsweise geringe Produktion sei laut OIV eine Folge klimatischer Schwankungen sowie von Anpassungen an die sinkende Nachfrage.

Qualität und neue Konzepte

Nach Einschätzung von OIV-Generaldirektor Barker steht die Weinindustrie vor einem strukturellen Wandel. Statt auf große Mengen müsse die Branche künftig stärker auf Qualität und Exklusivität setzen. Fachleute sehen zudem Chancen bei alkoholreduzierten oder alkoholfreien Weinen. Auch alternative Verpackungsformen wie kleinere Flaschen oder sogenannte „Bag-in-Box“-Lösungen könnten künftig an Bedeutung gewinnen.

(APA/red)

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